Woran Sie Sprechprobleme bei Parkinson erkennen
Parkinson macht die Muskeln langsam und steif. Das betrifft Arme und Beine, aber auch die Muskeln für Atmung, Stimme und Aussprache. Deshalb verändert sich bei den meisten Betroffenen im Lauf der Jahre das Sprechen, meist später als das Zittern oder die langsamen Bewegungen.
- Die Stimme wird leiser, kommt den Betroffenen selbst aber oft laut genug vor.
- Der Tonfall wird eintönig, Fragen und Aussagen klingen ähnlich.
- Es fällt schwer, mit dem Sprechen anzufangen, manchmal stockt es kurz.
- Das Tempo wechselt und wird am Satzende oft schneller.
- Die Laute klingen verwaschen, die Stimme behaucht oder rau.
Nach einer kleinen Studie beginnt die Sprechstörung im Mittel etwa 7 Jahre nach den ersten Krankheitszeichen. Medikamente und die tiefe Hirnstimulation, ein Hirnschrittmacher, verbessern das Sprechen nur begrenzt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie setzt deshalb in ihrer Leitlinie vor allem auf Logopädie. Eine Leitlinie ist die Behandlungsempfehlung der Fachärzte.
Wie die Logopädin das Sprechen bei Parkinson prüft
Am Anfang hört die Logopädin zu, wie Sie frei sprechen und vorlesen. Dazu kommen Tests und Fragebögen, etwa dazu, wie sehr die Stimme Sie im Alltag stört. Oft nimmt sie das Sprechen auf Video auf oder misst die Lautstärke. So lässt sich der Verlauf über mehrere Termine vergleichen.
Die Logopädin achtet auch darauf, ob Probleme mit Denken und Gedächtnis die Verständigung erschweren. Das ist etwas anderes als eine Sprechstörung. Aus allen Ergebnissen plant sie, ob die Therapie bei Atmung, Stimme, Aussprache oder Tempo ansetzt.
Was LSVT LOUD bei Parkinson übt
LSVT LOUD ist ein Übungsprogramm, das für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde. Sie üben, lauter zu sprechen und die Stimme stärker zu heben und zu senken. Dabei lernen Sie auch, die neue Lautstärke als normal zu empfinden und im Alltag beizubehalten.
Das Programm läuft 4 Wochen lang mit 4 Terminen pro Woche, und jeder Termin dauert 1 Stunde. Andere Wege sind eine Therapie, die an der Tonhöhe ansetzt, die übliche Sprechtherapie mit 1 bis 3 Terminen pro Woche und Hilfsmittel wie ein Stimmverstärker.
| Verfahren | Was Sie üben | Wie oft | Was die Studien zeigen |
|---|---|---|---|
| LSVT LOUD | lauter sprechen, die Stimme mehr heben und senken | 4 Termine pro Woche, 4 Wochen lang | die meisten guten Ergebnisse |
| PLVT | mit tieferer Stimme sprechen | ähnlich intensiv | erste Ergebnisse, der Klang ist vielleicht natürlicher |
| übliche Sprechtherapie | deutlicher und nicht zu schnell sprechen | 1 bis 3 Termine pro Woche | Hinweise auf Nutzen aus weniger strengen Studien |
| technische Hilfsmittel | Stimmverstärker und andere Hilfen | zusätzlich zur Therapie | einzelne Studien, kein Ersatz für Logopädie |
Die Leitlinie empfiehlt Logopädie für alle, die wegen Parkinson schlechter sprechen, nach einer gründlichen Untersuchung. Die Therapie sollte auf eine lautere Stimme und mehr Spielraum in der Tonhöhe zielen. Dafür sollten intensive Programme wie LSVT LOUD zum Einsatz kommen.
Die Studienlage hat Grenzen, das schreibt die Leitlinie selbst. Welches Verfahren am besten wirkt, ist nicht geklärt, und die Studien zu LSVT LOUD haben die Teilnehmer höchstens 12 Wochen lang begleitet. Logopädie heilt die Sprechstörung nicht, sie soll die Verständigung so lange wie möglich erhalten.
Logopädie bei Schluckproblemen durch Parkinson
Bei Parkinson kann auch das Schlucken schon früh gestört sein. Manche Menschen verschlucken sich dabei, ohne zu husten, und merken es deshalb nicht. Am Anfang stehen ein Fragebogen oder ein Test mit Wasser, genauer wird es mit einer Kamera durch die Nase oder einem Röntgenfilm.
Fällt vor allem eine leise, undeutliche Stimme auf, ohne Husten beim Essen?
Das spricht für eine Sprechstörung. Auf dem Rezept steht dann das Kürzel SP6, oft mit LSVT LOUD.
Kommen Husten, Räuspern oder ein Kloßgefühl beim Essen dazu?
Das spricht für eine Schluckstörung. Auf dem Rezept steht dann das Kürzel SC.
Sprechen Sie die Veränderung trotzdem bei der Neurologin an. So fällt eine beginnende Störung früh auf.
Wer wegen Parkinson schlecht schluckt, soll laut Leitlinie eine Schlucktherapie bekommen, die zum eigenen Problem passt. Bei leichten bis mittleren Schluckstörungen empfiehlt sie zusätzlich ein vierwöchiges Training der Ausatemmuskeln, kurz EMST. Auch eine Anpassung der Parkinson-Medikamente kann das Schlucken verbessern, das entscheidet die Neurologin.
Weitere Zeichen einer Schluckstörung bei Erwachsenen sind eine gurgelnde Stimme nach dem Schlucken und Gewichtsverlust. Fieber oder Husten nach dem Essen können auf eine Lungenentzündung durch Verschlucken hindeuten. Rufen Sie dann umgehend die Ärztin an.
Wie viel Logopädie bei Parkinson die Kasse zahlt
Die erste Logopädie bei Parkinson verschreibt meist die Neurologin, weil sie die Krankheit feststellt. Weitere Rezepte schreibt oft die Hausärztin. Für Sprechstörungen steht SP6 auf dem Rezept, mit bis zu 20 Terminen. Für Schluckstörungen steht SC darauf, mit bis zu 10 Terminen.
Als Richtwert für die ganze Behandlung gelten jeweils bis zu 60 Termine. Das ist keine Grenze, weitere Rezepte sind möglich, und die Krankenkasse muss sie nicht genehmigen.
Ab Stadium 3 gelten Sonderregeln. Ärztinnen teilen Parkinson nach Hoehn und Yahr in 5 Stadien ein. Die Stadien 3 und 4 bedeuten eine mäßige bis schwere Beeinträchtigung, Stadium 5 die schwerste.
In den Stadien 3 und 4 steht Parkinson auf der Liste für besonderen Bedarf, ebenso ein Parkinson als Folge anderer Erkrankungen, etwa von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Rezepte dafür zählen nicht mit, wenn die Krankenkassen prüfen, ob eine Arztpraxis zu viel Therapie verschreibt. Stadium 5 steht auf der Liste für dauerhaften Bedarf, dann auch für die Stimme. In beiden Fällen darf die Ärztin ohne Antrag und ohne Zeitgrenze Rezepte über bis zu 12 Wochen ausstellen.
| Stadium nach Hoehn und Yahr | Liste mit Sonderregeln | Was das für Ihr Rezept bedeutet |
|---|---|---|
| Stadium 1 und 2 | keine | normale Rezepte mit bis zu 20 oder 10 Terminen, weitere Rezepte nach Bedarf |
| Stadium 3 und 4 | Liste für besonderen Bedarf | Rezepte über bis zu 12 Wochen für Sprechen und Schlucken, ohne Antrag |
| Stadium 5 | Liste für dauerhaften Bedarf | Rezepte über bis zu 12 Wochen, auch für die Stimme, ohne Antrag |
Die Zuzahlung ist dieselbe wie bei jeder anderen Logopädie für Erwachsene. Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Rezept dazu, ab 2027 sind es 15 Euro. Wer wegen einer schweren chronischen Krankheit dauerhaft in Behandlung ist, zahlt im Jahr höchstens 1 Prozent der Bruttoeinnahmen zu. Diese Grenze gilt auf Antrag bei der Krankenkasse.
Was Sie selbst für Stimme und Schlucken tun können
- Sprechen Sie im Alltag so laut, wie Sie es in der Therapie trainiert haben, etwa mit Familie und Freunden.
- Sprechen Sie zugewandt und ohne Nebentätigkeit, denn Ablenkung erschwert Sprechen und Schlucken.
- Halten Sie die empfohlene Haltung beim Essen und die passende Kost ein, auch wenn das Essen länger dauert.
- Fragen Sie die Neurologin, ob schlechtere Tage mit der Wirkung der Tabletten zusammenhängen.
- Fragen Sie nach einem Stimmverstärker, wenn Ihre Stimme im Alltag trotz Therapie zu leise bleibt.
Logopädie ersetzt nicht die Behandlung durch die Neurologin. Ihr Ziel ist, dass Sie sich über den ganzen Verlauf so gut wie möglich verständigen und sicher essen können.
Häufige Fragen
Was ist LSVT LOUD bei Parkinson?
LSVT LOUD ist ein Übungsprogramm der Logopädie für Menschen mit Parkinson. Es läuft 4 Wochen lang mit 4 Terminen von je 1 Stunde pro Woche. Sie üben, lauter zu sprechen und diese Lautstärke im Alltag als normal zu empfinden.
Wie viele Termine Logopädie gibt es bei Parkinson auf ein Rezept?
Bei Parkinson gibt es für Sprechstörungen bis zu 20 Termine Logopädie auf ein Rezept, für Schluckstörungen bis zu 10. Ab Stadium 3 nach Hoehn und Yahr darf die Ärztin Rezepte über bis zu 12 Wochen ausstellen. Wie viele Termine das sind, hängt davon ab, wie oft Sie pro Woche kommen.
Muss die Krankenkasse Logopädie bei Parkinson genehmigen?
Nein, Logopädie bei Parkinson braucht keine Genehmigung der Krankenkasse. Das gilt für normale Rezepte und für die Sonderregeln ab Stadium 3. Einen Antrag stellen Sie nur, wenn Sie schon in einem frühen Stadium dauerhaft Rezepte über 12 Wochen brauchen.
Hilft Logopädie bei Parkinson auch beim Schlucken?
Ja, Logopädie behandelt bei Parkinson auch Schluckstörungen, mit dem Kürzel SC auf dem Rezept. Die Leitlinie empfiehlt eine Schlucktherapie, die zum einzelnen Problem passt. Bei leichten bis mittleren Störungen kommt ein vierwöchiges Training der Ausatemmuskeln hinzu.
Wer verschreibt Logopädie bei Parkinson?
Logopädie bei Parkinson verschreibt meist zuerst die Neurologin, weil sie die Krankheit feststellt und begleitet. Weitere Rezepte kann die Hausärztin ausstellen. Einen neuen Termin bei der Neurologin brauchen Sie dafür nicht jedes Mal.
