Woran Sie eine Schluckstörung erkennen
Eine Schluckstörung zeigt sich selten an einem einzigen Zeichen. Meist sind es mehrere kleine Auffälligkeiten beim Essen und Trinken. Betroffene merken sie oft selbst nicht, weil sich das Schlucken langsam verändert und sie sich daran gewöhnen.
- Husten oder Räuspern während oder kurz nach dem Essen und Trinken.
- Das Gefühl, dass Essen im Hals stecken bleibt, oder mehrfaches Nachschlucken für einen Bissen.
- Speichel, Essen oder Getränke laufen aus dem Mund oder kommen durch die Nase zurück.
- Eine gurgelnde oder feuchte Stimme direkt nach dem Schlucken.
- Ungewollter Gewichtsverlust, weil der Mensch weniger oder kleinere Bissen isst.
- Wiederholte Infekte der Atemwege oder Lungenentzündungen ohne andere Ursache.
Kein Zeichen allein beweist eine Schluckstörung. Treten mehrere zusammen auf, besonders bei Parkinson, nach einem Schlaganfall oder im hohen Alter, sollte die Ärztin das Schlucken prüfen.
Manche Menschen verschlucken sich, ohne zu husten, etwa bei Parkinson. Ärzte nennen das stille Aspiration. Dann fallen eher wiederholte Lungenentzündungen ohne andere Ursache auf.
Wann eine Schluckstörung zum Notfall wird
Gelangen Essen, Getränke oder Speichel in die Luftröhre, kann eine Lungenentzündung entstehen. Wer aus Angst vor dem Verschlucken weniger isst, nimmt außerdem ab und ist schlechter ernährt. Achten Sie deshalb früh auf die Warnzeichen.
Bekommt der Mensch nach dem Verschlucken keine Luft oder hustet er nicht mehr wirksam?
Das ist ein Notfall. Rufen Sie sofort die 112 und leisten Sie Erste Hilfe.
Hat er Fieber, neuen Husten oder Atemnot?
Das kann eine Lungenentzündung durch Verschlucken sein. Rufen Sie umgehend die Ärztin an.
Bestehen Husten beim Essen, Kloßgefühl oder Gewichtsverlust seit Wochen?
Vereinbaren Sie bald einen Termin bei der Hausärztin. Schildern Sie genau, wann und bei welcher Kost es auftritt.
Beobachten Sie weiter und notieren Sie Auffälligkeiten. Ein einzelnes Verschlucken ohne weitere Zeichen ist meist kein Grund zur Sorge.
Welche Ursachen eine Schluckstörung hat
Eine Schluckstörung hat bei Erwachsenen viele mögliche Ursachen. Nach einem Schlaganfall prüft die Klinik das Schlucken sofort, und die Logopädie nach einem Schlaganfall beginnt oft schon dort. Schluckstörungen kommen aber auch bei Parkinson, bei Demenz, nach Krebs im Mund, Rachen oder Kehlkopf und im Alter vor.
| Ursache | Was beim Schlucken passiert |
|---|---|
| Schlaganfall | Das Gehirn steuert das Schlucken nicht mehr richtig, oft schon in den ersten Tagen. |
| Parkinson | Zunge und Rachen bewegen sich langsam und kraftlos, manchmal verschluckt sich der Mensch ohne Husten. |
| Demenz | Im späten Stadium lassen die Steuerung des Schluckens und die Aufmerksamkeit beim Essen nach. |
| Krebs im Mund, Rachen oder Kehlkopf | Operation oder Bestrahlung verändern das Gewebe, oft für Jahre. |
| Alter | Die Muskeln werden schwächer, das Gefühl im Mund lässt nach, und der Schluckreflex setzt später ein. |
| Medikamente | Manche machen müde oder trocknen den Mund aus und erschweren so das Schlucken. |
Bei Krebs im Kopf- und Halsbereich haben schon vor der Behandlung 8 bis 62 Prozent eine Schluckstörung, je nach Lage des Tumors. Kurz nach einer Operation sind es bis zu 67 Prozent. Durch solche Tumoren kommen in Deutschland jedes Jahr bis zu 11.500 neue Schluckstörungen hinzu.
Die Schluckstörung verschwindet nicht immer mit der Zeit. In einer Untersuchung mit 1.461 Menschen hatten nach einem Jahr noch 46 Prozent Probleme beim Schlucken, nach fünf Jahren noch 23 Prozent. Die Fachärzte raten deshalb in ihrer Leitlinie, also ihrer Behandlungsempfehlung, die Schlucktherapie auch lange nach der Krebsbehandlung fortzusetzen, wenn die Störung bleibt.
Wie die Ärztin das Schlucken untersucht
Zuerst prüft die Ärztin das Schlucken mit einem einfachen Test, oft mit Wasser oder einem Fragebogen. Ist das Ergebnis auffällig oder bleiben Zweifel, folgt eine genauere Untersuchung. Dafür gibt es zwei Verfahren, die sich ergänzen.
Bei der FEES führt die Ärztin eine dünne, biegsame Kamera durch die Nase. Sie sieht, wie Rachen und Kehlkopf beim Schlucken arbeiten, und das geht auch am Krankenbett. Beim zweiten Verfahren filmt ein Röntgengerät, wie der Mensch ein Kontrastmittel schluckt, vom Mund bis in die Speiseröhre.
Welche Ärztin das macht, hängt von der Ursache ab. Bei Krebs im Halsbereich ist es meist die HNO-Ärztin, bei Parkinson oder nach einem Schlaganfall die Neurologin. Bei Schluckproblemen im Alter ist oft die Hausärztin die erste Ansprechpartnerin.
Was Sie in der Schlucktherapie üben
Die Logopädin verbindet meist drei Dinge. Sie übt mit Ihnen die Muskeln, die beim Schlucken arbeiten. Sie zeigt Haltungen, die das Schlucken sicherer machen, etwa das Kinn beim Schlucken zur Brust zu nehmen. Und sie berät, welche Kost passt, zum Beispiel angedickte Getränke oder pürierte Speisen.
Was davon passt, zeigt die Untersuchung mit Kamera oder Röntgen. Nach Krebs im Kopf- und Halsbereich soll die Schlucktherapie schon während der Krebsbehandlung oder spätestens 6 Wochen danach beginnen. Fragen Sie vor einer Bestrahlung, ob die Muskeln für das Schlucken dabei geschont werden können.
Für eine Schluckstörung steht das Kürzel SC auf dem Rezept. Ein Rezept umfasst bis zu 10 Termine, als Richtwert für die ganze Behandlung gelten bis zu 60. Reicht das nicht, schreibt die Ärztin weitere Rezepte.
Die Krankenkasse zahlt die Schlucktherapie, auch bei einer Schluckstörung im Alter. Es gelten dieselben Kosten wie bei jeder Logopädie für Erwachsene. Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Rezept dazu, ab 2027 sind es 15 Euro. Wer nicht in die Praxis kommen kann, bekommt auf Rezept einen Hausbesuch.
Was Angehörige beim Essen beachten können
Die Logopädin leitet Angehörige an, weil sicheres Schlucken vor allem beim Essen zu Hause zählt und nicht nur in der Praxis. Geben Sie beim Essen Zeit und Ruhe.
- Beobachten Sie, wobei Husten oder Räuspern auftritt, bei Getränken, bei fester Kost oder bei beidem.
- Schildern Sie das der Ärztin genau, statt es als normale Alterserscheinung abzutun.
- Fragen Sie nach einem Rezept für Logopädie, wenn die Ärztin eine Schluckstörung feststellt.
- Halten Sie die empfohlene Kost und Haltung ein, auch wenn das Essen dann länger dauert.
- Lassen Sie sich die passende Kost und die Trinkmenge schriftlich geben.
- Melden Sie Fieber, mehr Husten oder schnellen Gewichtsverlust sofort der Ärztin.
Häufige Fragen
Ist gelegentliches Verschlucken schon eine Schluckstörung?
Nein, gelegentliches Verschlucken ist nicht unbedingt eine Schluckstörung. Es passiert auch gesunden Menschen, etwa beim hastigen Essen oder wenn sie beim Schlucken sprechen. Kommt es öfter vor, bei bestimmter Kost oder mit Gewichtsverlust und Infekten, sollte die Ärztin das Schlucken prüfen.
Wann beginnt die Schlucktherapie nach Krebs im Kopf- und Halsbereich?
Die Schlucktherapie nach Krebs im Kopf- und Halsbereich soll während der Krebsbehandlung oder innerhalb von 6 Wochen danach beginnen. Ziel ist, die Zeit mit eingeschränktem Essen zu verkürzen. Bleibt die Schluckstörung, geht die Therapie auch danach weiter.
Was sind angedickte Getränke bei einer Schluckstörung?
Angedickte Getränke fließen langsamer als Wasser oder Tee und lassen sich bei einer Schluckstörung besser kontrollieren. Die Logopädin empfiehlt sie, wenn die Untersuchung zeigt, dass dünne Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. Wie dick ein Getränk sein soll, richtet sich nach dem einzelnen Menschen.
Was tun, wenn sich jemand verschluckt und keine Luft bekommt?
Wenn sich jemand verschluckt und keine Luft bekommt, rufen Sie sofort die 112. Leisten Sie Erste Hilfe, etwa mit Schlägen auf den Rücken und dem Heimlich-Handgriff, wie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Ein Termin in der Praxis ersetzt in dieser Lage keinen Notarzt.
Zahlt die Krankenkasse Schlucktherapie bei einer Schluckstörung im Alter?
Ja, die Krankenkasse zahlt Schlucktherapie im Alter, wenn die Ärztin eine Schluckstörung feststellt, die behandelt werden muss. Eine leichte, altersübliche Veränderung ohne Folgen reicht dafür nicht. Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Rezept dazu.
