Was Logopädie nach einem Schlaganfall behandelt
Ein Schlaganfall kann je nach betroffener Stelle im Gehirn vier Bereiche treffen, für die Logopädie zuständig ist. Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst gestört. Betroffene finden Wörter nicht, bilden Sätze falsch oder verstehen andere schlechter, oft leiden auch Lesen und Schreiben.
Beim undeutlichen Sprechen sind die Nerven der Sprechmuskeln geschädigt, das Verstehen bleibt meist erhalten. Bei einer Sprechapraxie plant das Gehirn die Bewegungen von Zunge und Lippen nicht mehr richtig. Dazu kommen Schluckstörungen und eine heisere oder schwache Stimme.
Für Aphasie und undeutliches Sprechen passen bis zu 20 Termine auf ein Rezept, für Schlucken und Stimme bis zu 10. Als Richtwert für die ganze Behandlung gelten 20 bis 60 Termine.
| Problem nach dem Schlaganfall | Kürzel auf dem Rezept | Termine je Rezept | Richtwert für die ganze Behandlung |
|---|---|---|---|
| Aphasie, die Sprache ist gestört | SP5 | bis zu 20 | bis zu 60 |
| undeutliches Sprechen oder Sprechapraxie | SP6 | bis zu 20 | bis zu 60 |
| Schluckstörung | SC | bis zu 10 | bis zu 60 |
| Stimmstörung, etwa durch eine schlecht bewegliche Stimmlippe | ST1 | bis zu 10 | bis zu 20 |
Neben dem Kürzel steht auf dem Rezept die Diagnose als Code, etwa I63 für einen Hirninfarkt. Ein Hirninfarkt ist ein Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß im Gehirn. Der Code I69 steht für die Folgen eines Schlaganfalls.
Warum die Klinik sofort das Schlucken prüft
Mindestens jeder zweite Mensch hat kurz nach einem Schlaganfall Probleme beim Schlucken. Gelangen dabei Essen, Getränke oder Speichel in die Luftröhre, droht eine Lungenentzündung. Wer nach einem Schlaganfall schlecht schluckt, hat dafür ein mehr als viermal so hohes Risiko.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie rät deshalb in ihrer Leitlinie, das Schlucken so früh wie möglich nach der Aufnahme zu testen. Eine Leitlinie ist die Behandlungsempfehlung der Fachärzte. Dafür trinkt der Mensch kleine Mengen Wasser, oder er schluckt Proben in verschiedenen Festigkeiten. Fällt der Test gut aus, gibt es aber andere Warnzeichen, folgt trotzdem eine genauere Untersuchung.
Für die genaue Untersuchung gibt es zwei Wege. Bei der FEES schiebt die Ärztin eine dünne Kamera durch die Nase und schaut beim Schlucken zu, das geht auch am Krankenbett. Der zweite Weg ist ein Röntgenfilm des Schluckens mit Kontrastmittel.
Auch nach der Entlassung zeigt sich eine Schluckstörung bei Erwachsenen oft durch Husten beim Essen oder eine gurgelnde Stimme nach dem Schlucken.
Wie es nach der Entlassung weitergeht
Zwischen Klinik und Praxis entsteht leicht eine Lücke. Deshalb darf das Krankenhaus bei der Entlassung selbst ein Rezept für Logopädie ausstellen. Es deckt die ersten 7 Tage nach der Entlassung ab.
Mit diesem Rezept muss die Behandlung innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung beginnen, sonst verfällt es. Nach 12 Tagen muss sie abgeschlossen sein, und Termine, die bis dahin offen sind, verfallen. Diese Termine werden später nicht auf die Rezepte Ihrer Hausärztin angerechnet.
Logopädie in der Klinik
Die Klinik prüft das Schlucken und beginnt früh mit regelmäßigen Übungen, so empfiehlt es die Leitlinie.
Rezept bei der Entlassung
Reicht die Versorgung danach nicht, schreibt die Klinik ein Rezept für bis zu 7 Tage. Darauf steht auch das Datum der Entlassung.
Praxis suchen
Suchen Sie die Logopädie-Praxis schon vor der Entlassung. Sagen Sie, welches Kürzel auf dem Rezept steht und ob ein Hausbesuch nötig ist.
Rezept von der Hausärztin
Danach schreibt die Hausärztin oder die Neurologin die weiteren Rezepte. Mit einem neuen Rezept beginnt die Behandlung innerhalb von 28 Tagen.
Bericht und nächster Schritt
Nach einer Reihe von Terminen kann die Ärztin einen Bericht der Logopädin anfordern. Damit entscheidet sie über das nächste Rezept.
Wie lange dauert Logopädie nach einem Schlaganfall?
Wie lange die Logopädie dauert, hängt vom Verlauf ab und ist nicht festgelegt. Empfohlen sind 1 bis 3 Termine pro Woche. Bei der AOK versicherte Menschen mit einem Hirninfarkt bekamen im Jahr 2024 im Schnitt 26 Behandlungen, mit den Folgen eines Schlaganfalls 24. Über alle Gründe für Logopädie lag der Schnitt bei 23.
Im ersten Jahr nach dem Schlaganfall gilt eine Sonderregel. Der Schlaganfall steht für Sprache, Sprechen, Schlucken und Stimme auf der Liste für besonderen Bedarf. Dann darf die Ärztin Rezepte über bis zu 12 Wochen ausstellen und muss sich nicht an die üblichen Höchstzahlen halten.
Außerdem zählen diese Rezepte nicht mit, wenn die Krankenkassen prüfen, ob eine Arztpraxis zu viel Therapie verschreibt. Einen Antrag brauchen Sie dafür nicht. Die Jahresfrist beginnt mit dem ersten Rezept für eine Therapie zu dieser Diagnose.
Nach dem ersten Jahr geht die Logopädie weiter, wenn sie nötig ist. Die Ärztin schreibt dann normale Rezepte mit bis zu 20 oder 10 Terminen. Bleibt der Bedarf schwer und dauerhaft, können Sie bei der Krankenkasse den langfristigen Bedarf beantragen. Die Kasse muss innerhalb von 4 Wochen entscheiden.
Sind Sie vor weniger als 7 Tagen aus der Klinik entlassen worden?
Haben Sie ein Rezept von der Klinik bekommen?
Beginnen Sie die Logopädie innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung. Nach 12 Tagen verfallen offene Termine.
Gehen Sie bald zur Hausärztin oder zur Neurologin. Mit deren Rezept beginnen Sie innerhalb von 28 Tagen.
Liegt der Schlaganfall weniger als ein Jahr zurück?
Ihre Ärztin darf Rezepte über bis zu 12 Wochen ausstellen. Sprechen Sie sie auf diese Sonderregel an.
Ihre Ärztin schreibt normale Rezepte, solange Logopädie nötig ist. Bei schwerem Dauerbedarf können Sie einen Antrag bei der Krankenkasse stellen.
Logopädie zu Hause nach einem Schlaganfall
Wer nach einem Schlaganfall aus medizinischen Gründen nicht in eine Praxis kommen kann, bekommt Hausbesuche. Die Ärztin muss den Hausbesuch dafür auf dem Rezept ankreuzen. Auch im Pflegeheim oder in der Kurzzeitpflege gilt die Behandlung als Hausbesuch.
Ein Hausbesuch kostet die Krankenkasse 23,06 Euro zusätzlich zur Behandlung, und ab 18 Jahren zahlen Sie davon 2,31 Euro je Besuch. Die übrige Zuzahlung ist dieselbe wie bei jeder Logopädie für Erwachsene. Sie beträgt 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Rezept, ab 2027 sind es 15 Euro.
Was Angehörige nach einem Schlaganfall tun können
Angehörige gehören in der Logopädie dazu, weil das Üben vor allem zu Hause stattfindet. Bei Schluckproblemen berät die Logopädin, welche Speisen und Getränke sicher sind und welche Ess- und Trinkhilfen helfen. Bei einer Aphasie bezieht sie die Familie ein, damit die Verständigung zu Hause besser klappt.
- Fragen Sie in der Klinik nach dem Ergebnis des Schlucktests und nach weiteren Untersuchungen.
- Lassen Sie sich die passende Kost schriftlich geben, auch wie dick Getränke sein sollen und wie Tabletten genommen werden.
- Klären Sie vor der Entlassung, ob die Klinik ein Rezept ausstellt und bis wann die Logopädie beginnen muss.
- Suchen Sie früh eine Praxis mit Erfahrung bei Aphasie und Schluckstörungen und fragen Sie nach Hausbesuchen.
- Fragen Sie nach Übungen für zu Hause und nach Warnzeichen, bei denen Sie die Ärztin anrufen sollten.
- Sprechen Sie nach jeder Reihe von Terminen mit der Ärztin über den Bericht der Logopädin.
Häufige Fragen
Wie häufig ist eine Schluckstörung nach einem Schlaganfall?
Eine Schluckstörung haben mindestens 50 Prozent der Menschen kurz nach einem Schlaganfall. Sie haben ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Lungenentzündung durch Verschlucken. Deshalb prüft die Klinik das Schlucken so früh wie möglich nach der Aufnahme.
Darf das Krankenhaus nach einem Schlaganfall Logopädie verschreiben?
Ja, das Krankenhaus darf nach einem Schlaganfall bei der Entlassung Logopädie für bis zu 7 Tage verschreiben. Die Behandlung muss innerhalb dieser 7 Tage beginnen und nach 12 Tagen abgeschlossen sein. Die weiteren Rezepte schreibt dann die Hausärztin oder die Neurologin.
Wie viele Termine Logopädie bekommt man nach einem Schlaganfall?
Nach einem Schlaganfall passen bis zu 20 Termine Logopädie auf ein Rezept, bei Schluck- und Stimmstörungen bis zu 10. Im ersten Jahr darf die Ärztin Rezepte über bis zu 12 Wochen ausstellen. Bei der AOK versicherte Menschen mit einem Hirninfarkt bekamen 2024 im Schnitt 26 Behandlungen.
Was ist eine Aphasie nach einem Schlaganfall?
Eine Aphasie ist eine Störung der Sprache nach einer Schädigung des Gehirns, meist durch einen Schlaganfall. Betroffene finden Wörter nicht, bilden Sätze falsch oder verstehen andere schlechter. Oft sind auch Lesen und Schreiben gestört.
Gibt es Logopädie nach einem Schlaganfall auch zu Hause?
Ja, Logopädie nach einem Schlaganfall gibt es als Hausbesuch, wenn Sie aus medizinischen Gründen nicht in die Praxis kommen können. Die Ärztin kreuzt den Hausbesuch auf dem Rezept an. Ab 18 Jahren zahlen Sie dafür 2,31 Euro je Besuch dazu.
Was ändert sich ein Jahr nach dem Schlaganfall bei den Logopädie-Rezepten?
Ein Jahr nach dem Schlaganfall endet die Sonderregel mit Rezepten über bis zu 12 Wochen. Logopädie gibt es danach weiter mit normalen Rezepten, solange sie nötig ist. Bei schwerem Dauerbedarf können Sie bei der Krankenkasse einen Antrag stellen.
