Welche 4 Ursachen eine Stimmstörung haben kann
Heiserkeit ist ein Zeichen, keine Diagnose. Die Krankenkassen unterscheiden Stimmstörungen nach ihrer Ursache in vier Gruppen. Davon hängt ab, wie viele Termine es gibt und wie oft Sie kommen. Auf dem Rezept steht dafür das Kürzel ST1, ST2, ST3 oder ST4.
Bei ST1 ist am Kehlkopf eine Veränderung zu sehen. Das kann eine Fehlbildung sein, eine Verletzung, eine gelähmte oder schlecht bewegliche Stimmlippe, eine Folge einer Operation bis hin zur Entfernung des Kehlkopfs, eine hormonelle Ursache oder ein gestörter Stimmbruch.
Bei ST2 sieht der Kehlkopf gesund aus, aber das Zusammenspiel beim Sprechen stimmt nicht. Die Stimme wird zu fest oder zu schwach eingesetzt, oft mit zu viel Spannung im Hals. Bei ST3 und ST4 hängt die Stimmstörung mit seelischer Belastung zusammen. Bei ST3 ist die Stimme plötzlich ganz weg, das Husten klingt aber normal. Bei ST4 wird die Stimme langsam immer heiserer.
Für alle vier Gruppen passen bis zu 10 Termine auf ein Rezept. Als Richtwert für die ganze Behandlung gelten bei ST1, ST2 und ST4 bis zu 20 Termine, bei ST3 bis zu 10. Üblich sind 1 bis 3 Termine pro Woche, nur bei ST3 täglich.
| Kürzel | Ursache | Typische Beschwerden | Termine je Rezept | Richtwert | Wie oft |
|---|---|---|---|---|---|
| ST1 | Veränderung am Kehlkopf | Stimme hält wenig aus, Heiserkeit, Atemnot beim Sprechen | bis zu 10 | bis zu 20 Termine | 1 bis 3 Termine pro Woche |
| ST2 | falscher Gebrauch der Stimme | dieselben Beschwerden, aber ohne sichtbare Veränderung am Kehlkopf | bis zu 10 | bis zu 20 Termine | 1 bis 3 Termine pro Woche |
| ST3 | seelische Belastung, Stimme plötzlich weg | keine Stimme, Husten und Räuspern klingen normal | bis zu 10 | bis zu 10 Termine | täglich, auch mehrmals am Tag |
| ST4 | seelische Belastung, Stimme langsam heiser | zunehmende Heiserkeit, Husten und Räuspern klingen normal | bis zu 10 | bis zu 20 Termine | 1 bis 3 Termine pro Woche |
Bei ST3 ist die Behandlung besonders dicht. Eine plötzlich verlorene Stimme lässt sich oft in kurzer Zeit mit täglichen Terminen zurückholen. Dazu weist die Liste der Krankenkassen darauf hin, dass auch eine Psychotherapie sinnvoll sein kann.
Welche Untersuchung vor der Stimmtherapie nötig ist
Vor der Stimmtherapie steht die Untersuchung bei der Ärztin. Dazu gehören meist ein Hörtest, ein Blick auf den Kehlkopf mit einer Lupe, eine Untersuchung mit Blitzlicht und ein Test der Stimme. Bei Bedarf kommen genauere Messungen dazu, etwa ein Video der schwingenden Stimmlippen.
Das Blitzlicht macht die schnellen Schwingungen der Stimmlippen sichtbar, wie in Zeitlupe. So erkennt die Ärztin, ob die Schleimhaut frei schwingt oder ob etwas sie hemmt. Die Fachleute empfehlen diese Untersuchung ausdrücklich, dazu das Abtasten des Kehlkopfs von außen.
Zuständig sind zwei Facharztgruppen: die Hals-Nasen-Ohren-Praxis und die Fachärzte für Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen. Deren Ausbildung dauert mindestens 60 Monate und umfasst ausdrücklich Störungen von Stimme, Sprechen, Sprache und Schlucken.
Warum Menschen in Sprechberufen öfter heiser sind
Wer beruflich viel spricht, erkrankt häufiger an der Stimme. Nach der Leitlinie der Fachgesellschaften sind Menschen in Sprechberufen viermal so oft betroffen wie andere. Insgesamt haben 16,9 bis 29,9 Prozent der Menschen eine Stimmstörung, die nicht von einer Erkältung kommt, am häufigsten in Lehr- und Dienstleistungsberufen.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt eine Untersuchung: 29,9 Prozent von 1.651 Lehrkräften hatten Stimmprobleme, aber nur 5,4 Prozent von 1.614 Menschen ohne Lehrberuf. Etwa jede fünfte betroffene Lehrkraft fehlt deshalb mindestens einen Tag. Risiken sind unter anderem der Lehrberuf selbst, weibliches Geschlecht, ein Alter von 40 bis 49 Jahren und 16 oder mehr Jahre im Beruf.
Auch der Unterricht spielt eine Rolle. Lehrkräfte, die meist vor der Klasse sprechen, haben mehr Stimmprobleme als solche, die öfter Gruppen- oder Stillarbeit einsetzen. Bei Fachkräften in Kitas fand eine Untersuchung bei 10,9 Prozent eine sichtbare Veränderung am Kehlkopf.
- Die Stimme vor oder zu Beginn der Ausbildung prüfen lassen.
- In der Ausbildung lernen, die Stimme richtig zu nutzen.
- Die Stimme im Beruf in Kursen weiter trainieren.
- Unterricht so gestalten, dass die Stimme Pausen bekommt, etwa mit mehr Gruppen- und Stillarbeit.
- Erste Stimmprobleme früh ernst nehmen, bevor daraus Veränderungen am Kehlkopf werden.
Diese fünf Punkte empfehlen die Fachgesellschaften zur Vorbeugung. Ohne Krankheit zahlt die Krankenkasse Stimmbildung aber nicht. Die Kosten tragen Sie selbst oder Ihr Arbeitgeber. Wo der Unterschied zwischen Stimmtherapie und Stimmtraining liegt, entscheidet also auch, wer zahlt.
Was in der Stimmtherapie geübt wird
Stimmtherapie soll die Stimme wiederherstellen, verbessern oder erhalten. Wo das nicht geht, lernen Sie Ersatzwege, etwa nach einer Entfernung des Kehlkopfs mit einer Ersatzstimme oder einer elektronischen Sprechhilfe.
Geübt wird an vier Dingen. Es geht um den Klang der Stimme und darum, wie viel sie aushält. Dazu kommen die Stimme bei Heiserkeit, das Zusammenspiel von Atmen, Stimme und Aussprache und die Muskeln von Kehlkopf und Zunge. Wie die Logopädin das erreicht, entscheidet sie nach ihrem Befund.
Untersuchung bei der Ärztin
Die Hals-Nasen-Ohren-Praxis prüft Hören, Kehlkopf und Stimme. Daraus ergibt sich die Ursache.
Rezept mit Kürzel
Die Ärztin schreibt ST1 bis ST4 auf, dazu Stimmtherapie mit 30, 45 oder 60 Minuten und wie oft pro Woche.
Erste Untersuchung in der Praxis
Die Logopädin untersucht 60 Minuten lang an einem eigenen Tag und plant die Therapie.
Behandlung
Meist 1 bis 3 Termine pro Woche, bei plötzlich verlorener Stimme täglich. Dazwischen üben Sie im Alltag, denn dort wird die Stimme belastet.
Bericht und Entscheidung
Am Ende schreibt die Praxis auf Wunsch einen Bericht. Danach entscheidet die Ärztin über ein weiteres Rezept.
Wann Sie Ihre Stimme untersuchen lassen sollten
Nach einer Erkältung oder einem lauten Abend darf die Stimme heiser sein. Auffällig wird es, wenn die Veränderung bleibt, wiederkommt oder Sie im Alltag einschränkt. Typische Zeichen sind eine Stimme, die wenig aushält, ein veränderter Klang und das Gefühl, beim Sprechen zu schnell keine Luft mehr zu haben.
Ist die Stimme plötzlich ganz weg, oder haben Sie Schmerzen oder Atemnot?
Lassen Sie das bald ärztlich untersuchen. Bei plötzlich verlorener Stimme ist eine schnelle, dichte Behandlung vorgesehen.
Hält die Heiserkeit an oder kommt sie immer wieder?
Sprechen Sie beruflich viel, etwa im Unterricht, in der Betreuung oder am Telefon?
Machen Sie einen Termin in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis. In Sprechberufen ist das Risiko viermal so hoch, und früh behandelt bleibt der Kehlkopf eher gesund.
Lassen Sie den Kehlkopf untersuchen. Nur so lässt sich eine Veränderung ausschließen.
Schonen Sie die Stimme und beobachten Sie den Verlauf. Kommt die Heiserkeit wieder, gehen Sie zur Ärztin.
- Schreiben Sie auf, seit wann Ihre Stimme verändert ist und wann sie versagt.
- Notieren Sie, wie lange Sie am Tag sprechen und wie laut es dabei um Sie herum ist.
- Machen Sie einen Termin in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis und nennen Sie Ihren Beruf.
- Lassen Sie sich den Befund am Kehlkopf erklären.
- Fragen Sie, welches Kürzel auf dem Rezept steht und wie viele Termine vorgesehen sind.
- Überlegen Sie, was sich am Arbeitsplatz ändern lässt, etwa Pausen, Unterrichtsform oder ein Mikrofon.
Eine häufige Folge von zu viel oder falsch eingesetzter Stimme sind Knötchen an den Stimmlippen. Wie Stimmlippenknötchen behandelt werden, hängt davon ab, wie lange sie schon bestehen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer organischen und einer funktionellen Stimmstörung?
Bei einer organischen Stimmstörung ist am Kehlkopf eine Veränderung zu sehen, etwa nach einer Operation oder bei einer gelähmten Stimmlippe. Bei einer funktionellen Stimmstörung sieht der Kehlkopf gesund aus, aber die Stimme wird falsch eingesetzt. Für beide gibt es gleich viele Termine Stimmtherapie.
Wie viele Termine Stimmtherapie zahlt die Krankenkasse?
Für Stimmtherapie zahlt die Krankenkasse bis zu 10 Termine je Rezept. Als Richtwert für die ganze Behandlung gelten meist bis zu 20 Termine, bei plötzlich verlorener Stimme bis zu 10. Reicht das nicht, gibt es weitere Rezepte, ohne dass die Kasse sie genehmigen muss.
Welcher Arzt untersucht eine Stimmstörung?
Eine Stimmstörung untersucht die Hals-Nasen-Ohren-Praxis oder eine Fachärztin für Stimm- und Sprachstörungen. Sie schaut sich den Kehlkopf an, oft mit Blitzlicht, und prüft Hören und Stimme. Danach schreibt sie bei Bedarf ein Rezept für Stimmtherapie.
Haben Lehrkräfte häufiger Stimmprobleme?
Ja, Lehrkräfte haben deutlich häufiger Stimmprobleme. In einer Untersuchung waren es 29,9 Prozent der Lehrkräfte, aber nur 5,4 Prozent der Menschen ohne Lehrberuf. Menschen in Sprechberufen sind insgesamt viermal so oft betroffen.
Zahlt die Krankenkasse Stimmtraining für den Beruf?
Nein, ohne Stimmstörung zahlt die Krankenkasse kein Stimmtraining für den Beruf. Das tragen Sie selbst oder Ihr Arbeitgeber. Liegt eine echte Stimmstörung vor, gibt es Stimmtherapie auf Rezept.
Wie schnell muss eine plötzlich verlorene Stimme behandelt werden?
Eine plötzlich verlorene Stimme sollte schnell untersucht und behandelt werden. Kommt sie von seelischer Belastung, sind tägliche Termine vorgesehen, oft auch mehrere am Tag. Vorher prüft die Ärztin, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt.
