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Ratgeber

Welche Sprachentwicklung in welchem Alter normal ist

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Mit knapp 2 Jahren sollte ein Kind mindestens 10 richtige Wörter sprechen, Mama und Papa nicht mitgezählt. Mit knapp 3 Jahren spricht es Sätze aus 3 Wörtern, mit knapp 4 Jahren Sätze aus etwa 6 Wörtern. Mit gut 5 Jahren spricht es fast alle Laute richtig. So prüft es die Kinderärztin bei den Vorsorgeuntersuchungen U5 bis U9.

Wörter mit knapp 2 Jahren
mindestens 10
Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, U7, Stand 1. Januar 2026
Satzlänge mit knapp 3 Jahren
mindestens 3 Wörter
Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, U7a, Stand 1. Januar 2026
Fast fehlerfreie Aussprache
mit 60 bis 64 Monaten
Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, U9, Stand 1. Januar 2026
Ein Kleinkind sitzt auf dem Schoß eines Elternteils und schaut ein Bilderbuch mit Tieren an.
Ein Kleinkind und ein Elternteil schauen gemeinsam ein Bilderbuch an. Bild: KI generiert.

Was Kinder bei den U-Untersuchungen sprechen sollten

Bei den Vorsorgeuntersuchungen prüft die Kinderärztin ab der U5 auch die Sprache. Was sie dabei erwartet, steht in einer festen Regel für alle Kinderarztpraxen, der Kinder-Richtlinie. Die Angaben sind erstaunlich genau: Silbenketten wie ge-ge-ge, Doppelsilben wie da-da, mindestens 10 richtige Wörter ohne Mama und Papa.

Die Kinderärztin prüft die Sprache sechsmal, von der U5 im 6. bis 7. Lebensmonat bis zur U9 im 60. bis 64. Lebensmonat. Bei der U7 mit 21 bis 24 Monaten sollte ein Kind mindestens 10 Wörter sprechen. Bei der U7a mit 34 bis 36 Monaten sind es Sätze aus mindestens 3 Wörtern, bei der U8 mit 46 bis 48 Monaten Sätze aus etwa 6 Wörtern. Jede Untersuchung hat einen Spielraum, die U7 ist zum Beispiel vom 20. bis zum 27. Monat möglich.

Was Kinder bei den Vorsorgeuntersuchungen U5 bis U9 sprechen sollten, mit dem vorgesehenen Alter und dem Spielraum.
UntersuchungGedacht fürMöglich imDas sollte Ihr Kind können
U56. bis 7. Lebensmonat5. bis 8. LebensmonatSilbenketten plappern wie ge-ge-ge oder mem-mem-mem
U610. bis 12. Lebensmonat9. bis 14. Lebensmonatlängere Silbenketten, Doppelsilben wie ba-ba oder da-da, Laute nachmachen
U721. bis 24. Lebensmonat20. bis 27. Lebensmonatmindestens 10 richtige Wörter ohne Mama und Papa, einfache Bitten verstehen, auf 3 Körperteile zeigen
U7a34. bis 36. Lebensmonat33. bis 38. LebensmonatSätze aus mindestens 3 Wörtern, ich sagen, den eigenen Rufnamen nennen
U846. bis 48. Lebensmonat43. bis 50. LebensmonatSätze aus etwa 6 Wörtern, Geschichten in der richtigen Reihenfolge nacherzählen
U960. bis 64. Lebensmonat58. bis 66. Lebensmonatfast alle Laute richtig, richtige, einfache Sätze

Zwischen dem 2. und 3. Geburtstag passiert besonders viel. In dieser Zeit soll ein Kind von einzelnen Wörtern zu Sätzen kommen und von sich als ich sprechen. Hier fällt Eltern am häufigsten auf, dass ihr Kind anders spricht als Geschwister oder Gleichaltrige. Deshalb gibt es mit der U7a eine eigene Untersuchung für diese Zeit.

Warum der Spielraum bei den U-Terminen zählt

Jede Vorsorgeuntersuchung hat ein vorgesehenes Alter und einen Spielraum. Die U7 ist für den 21. bis 24. Lebensmonat gedacht, möglich ist sie vom 20. bis zum 27. Monat. Der Spielraum hilft bei der Terminplanung. Er zeigt auch, dass sich Kinder nicht auf den Monat genau entwickeln.

Frühgeborene gehen zu denselben Zeiten zur Vorsorge. Die Ärztin berücksichtigt aber die frühe Geburt, wenn sie bewertet, was das Kind kann. Ein Kind, das zwei Monate zu früh kam, misst sie nicht an derselben Marke wie ein Kind, das zum errechneten Termin geboren wurde.

Lassen Sie die Termine trotzdem nicht verstreichen. Nach dem Ende des Spielraums zahlt die Krankenkasse die Untersuchung nicht mehr. Wer die U8 auslässt, verpasst auch den Hörtest, der dort dazugehört. Schlechtes Hören ist ein häufiger Grund, warum Kinder spät sprechen lernen.

Was die Kinderärztin bei Auffälligkeiten tut

Bei der U8 stellt die Kinderärztin den Eltern drei feste Fragen: Sind Sie mit der Sprachentwicklung Ihres Kindes zufrieden? Wird Ihr Kind von der Umgebung gut verstanden? Stottert Ihr Kind? Ihre Antworten bestimmen, wie genau die Ärztin danach hinschaut.

Hat die Ärztin einen Verdacht, prüft sie meist zuerst das Hören. Bei der U8 gehört der Hörtest ohnehin dazu. Versteht ein Kind Gehörtes schlecht, obwohl die Ohren gesund sind, sind vor einem Rezept weitere Untersuchungen nötig.

  • Sie fragt, seit wann Ihnen etwas auffällt und in welchen Situationen.
  • Sie prüft das Hören, bei der U8 als fester Teil der Untersuchung.
  • Sie beurteilt Sprechen, Sprache und Verstehen nach den Punkten der Vorsorge.
  • Sie schaut auf die ganze Entwicklung, denn Sprache hängt mit Bewegung, Wahrnehmung und Spielen mit anderen zusammen.
  • Bei Bedarf überweist sie zu einer Fachärztin für Sprach- und Hörstörungen bei Kindern oder in eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis.
  • Ist Logopädie nötig, schreibt sie ein Rezept.

Für Kinder, die noch sprechen lernen, passen auf ein Rezept bis zu 10 Termine. Als Richtwert für die ganze Behandlung gelten bis zu 60 Termine. Geht es nur um die Aussprache einzelner Laute, sind es bis zu 30. Üblich sind 1 bis 3 Termine pro Woche.

  1. Schreiben Sie zwei Wochen lang auf, was Ihr Kind sagt: einzelne Wörter, Sätze aus zwei Wörtern, Fragen, kleine Erzählungen.
  2. Notieren Sie, ob Fremde Ihr Kind verstehen und ob es auf Nachfragen reagiert.
  3. Nehmen Sie das gelbe Vorsorgeheft mit, damit die Ärztin den Verlauf sieht.
  4. Sprechen Sie Ihre Sorge gleich am Anfang des Termins an.
  5. Fragen Sie nach dem nächsten Schritt: noch einmal kontrollieren, Hörtest oder Rezept.
  6. Machen Sie aus, wann Sie sich wieder melden, wenn erst einmal abgewartet wird.

Late Talker, was der Begriff sagt und was nicht

Late Talker heißt auf Deutsch später Sprecher. Der Begriff taucht in vielen Elternforen auf, in den Regeln für Kinderärzte und Krankenkassen steht er aber nicht. Dort zählen die Punkte der Vorsorge, etwa die 10 Wörter bei der U7.

Eine Leitlinie, also eine gemeinsame Empfehlung der Fachgesellschaften, dazu, wie eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt wird, gibt es bisher nicht. Die Fachgesellschaft der Ärzte für Sprach- und Hörstörungen arbeitet seit März 2022 daran, fertig sein soll sie Ende 2026. Eine verlässliche Altersgrenze, ab der ein Kind als spät sprechend gilt, gibt es deshalb nicht.

Was es gibt, ist der Maßstab der Vorsorge: 10 richtige Wörter zwischen dem 21. und 24. Lebensmonat, Sätze aus 3 Wörtern zwischen dem 34. und 36. Damit können Sie Ihre Beobachtung einordnen, ohne sich auf eine Grenze zu verlassen, die nirgends verbindlich steht.

Wann Sprachförderung statt Logopädie passt

Nicht jede Auffälligkeit braucht Logopädie. Reicht eine Förderung in Kita oder Schule, darf die Ärztin keine Logopädie verschreiben, auch nicht ersatzweise, wenn die Förderung fehlt. Beides nebeneinander geht nur, wenn es einen eigenen medizinischen Grund für die Logopädie gibt.

Bekommt ein Kind schon Therapie in der Frühförderung, zahlt die Krankenkasse dieselbe Therapie nicht noch einmal. Frühförderung bieten Frühförderstellen und sozialpädiatrische Zentren für Kinder bis zum Schuleintritt an. Das ist keine Ablehnung, sondern eine Frage, wer zuständig ist.

Wer mehrsprachig aufwächst, lernt deshalb nicht langsamer sprechen. Eine echte Störung zeigt sich in allen Sprachen des Kindes, nicht nur im Deutschen.

Sie machen sich Sorgen um die Sprache Ihres Kindes. Was nun?

Steht die nächste U-Untersuchung in den nächsten 4 Wochen an?

Ja

Schreiben Sie Ihre Beobachtungen auf und bringen Sie sie mit. Sprache und Hören gehören zur Untersuchung.

Nein

Schafft Ihr Kind einen Punkt der Vorsorge auch am Ende des Spielraums nicht, etwa 10 Wörter bis zum 27. Monat?

Ja

Machen Sie einen eigenen Termin in der Kinderarztpraxis und schildern Sie, was Ihnen auffällt.

Nein

Hört Ihr Kind schlecht, fragt oft nach oder reagiert nicht, wenn Sie es von hinten ansprechen?

Ja

Lassen Sie zuerst das Hören prüfen. Schlechtes Hören ist ein häufiger Grund für spätes Sprechen.

Nein

Beobachten Sie weiter und gehen Sie zum nächsten U-Termin. Dort können Sie Ihre Notizen besprechen.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter sollte ein Kind mit 2 Jahren sprechen?

Mit knapp 2 Jahren sollte ein Kind mindestens 10 richtige Wörter sprechen, Mama und Papa nicht mitgezählt. So prüft es die Kinderärztin bei der U7 im 21. bis 24. Lebensmonat. Außerdem sollte das Kind einfache Bitten verstehen und auf 3 Körperteile zeigen, wenn Sie sie nennen.

Ab wann sprechen Kinder in ganzen Sätzen?

Mit knapp 3 Jahren sprechen Kinder Sätze aus mindestens 3 Wörtern und sagen ich, wenn sie von sich sprechen. Mit knapp 4 Jahren sind es Sätze aus etwa 6 Wörtern. Mit gut 5 Jahren sind die Sätze richtig, aber noch einfach gebaut.

Gibt es eine Leitlinie, ab wann ein Kind als spät sprechend gilt?

Nein, eine Leitlinie dazu, ab wann ein Kind als spät sprechend gilt und wie eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt wird, gibt es bisher nicht. Die Fachgesellschaften arbeiten seit März 2022 daran, fertig sein soll sie Ende 2026. Bis dahin gelten die Punkte der Vorsorgeuntersuchungen als Maßstab.

Ab wann ist Stottern bei Kindern ein Fall für Logopädie?

Normales Stocken beim Sprechenlernen ist kein Fall für Logopädie. Erst echtes Stottern behandelt die Krankenkasse, mit bis zu 10 Terminen je Rezept. Ob Ihr Kind stottert, klärt die Kinderärztin, bei der U8 fragt sie ausdrücklich danach.

Was tut die Kinderärztin, wenn mein Kind spät spricht?

Spricht Ihr Kind spät, fragt die Kinderärztin zuerst nach Ihren Beobachtungen und prüft Sprechen, Verstehen und meist auch das Hören. Je nach Ergebnis überweist sie zu einer Fachärztin oder schreibt ein Rezept für Logopädie. Manchmal wird erst einmal abgewartet und kontrolliert.

Zahlt die Krankenkasse Logopädie, wenn mein Kind schon Frühförderung bekommt?

Nein, die Krankenkasse zahlt keine Logopädie, die das Kind schon in der Frühförderung bekommt. Nur wenn es einen eigenen medizinischen Grund außerhalb der Frühförderung gibt, ist ein Rezept möglich. Klären Sie das in der Kinderarztpraxis.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Richtlinie über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern (Kinder-Richtlinie), Fassung vom 15. Mai 2025, in Kraft seit 1. Januar 2026, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  2. Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, mit § 6 zu Verordnungsausschlüssen und Anlage 1 zu nicht verordnungsfähigen Indikationen, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  3. Heilmittelkatalog zur Heilmittel-Richtlinie, Diagnosegruppen SP1 bis SP3 und RE1, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  4. S3-Leitlinie Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung, Registernummer 049-013, Stand 31. August 2016, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  5. Anmeldung der S3-Leitlinie Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen, Registernummer 049-006, angemeldet am 14. März 2022, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  6. § 46 SGB IX, Früherkennung und Frühförderung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  7. § 32 SGB V, Heilmittel, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

Einsatz von Sprachmodellen

Eine KI hat die wiederkehrenden Sätze auf den Seiten formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Die Texte werden vor der Veröffentlichung gelesen und die Zahlen an den Quellen geprüft. Name, Adresse und Kontaktdaten der Praxen stammen dagegen unverändert aus OpenStreetMap. Sie verarbeitet ein festes Programm und keine KI.

Korrekturweg

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.