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Ab wann wird Stottern bei Kindern behandelt?

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Stottert ein Kind zwischen 3 und 6 Jahren, beobachten Fachleute zuerst 6 bis 12 Monate ab dem Beginn. Hält das Stottern länger an, beginnt die Therapie. Sofort behandelt wird, wenn sich das Kind beim Sprechen anstrengt, darunter leidet oder Risiken hat, etwa Stottern in der Familie. Bei 70 bis 80 von 100 Kindern vergeht das Stottern von selbst.

Kinder, bei denen Stottern vergeht
70 bis 80 Prozent
S3-Leitlinie Redeflussstörungen, Empfehlung 5, AWMF 049-013, Stand 31. August 2016
Beobachten ab Beginn des Stotterns
6 bis 12 Monate
S3-Leitlinie Redeflussstörungen, AWMF 049-013, Stand 31. August 2016
Termine auf einem Rezept
bis zu 10
Heilmittelkatalog zur Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, Stand 16. Mai 2024
Ein Vater kniet sich in der Küche auf Augenhöhe zu seinem kleinen Kind und hört zu.
Ein Vater hört seinem Kind auf Augenhöhe zu. Bild: KI generiert.

Wie Sie Stottern von normalem Stocken unterscheiden

Stottern ist eine Störung des Sprechflusses, die das Kind nicht willentlich steuern kann. Typisch sind vier Dinge: Laute, Silben oder kurze Wörter werden wiederholt, Laute werden gedehnt, ein Wort reißt mitten drin ab, oder das Kind bleibt hörbar oder stumm hängen.

Jedes Kind spricht manchmal unflüssig. Pausen mit ähm, neu begonnene Sätze, wiederholte ganze Wörter und abgebrochene Wörter gehören zum normalen Sprechenlernen und kommen auch bei Erwachsenen vor. Der Unterschied liegt in der Stelle: Beim Stottern hakt es innerhalb eines Wortes oder einer Silbe, nicht zwischen den Wörtern.

Normales Stocken und typisches Stottern mit Beispielen aus der Leitlinie zu Stottern und Poltern.
Art des StockensBeispielEinordnung
Pause zwischen WörternIch habe das ähm weggeworfennormal
Wort wird verbessertDas ist ein schönes, kein schönes Spielnormal
ganzes Wort oder Satzteil wird wiederholtDarf ich, darf ich mitspielen?normal
Wort bricht abDas hat noch niemand ver...normal
Laut, Silbe oder kurzes Wort wird wiederholtI-I-I-Ich will auch was sagenStottern
Laut wird gedehntLLLLLass michStottern
Pause mitten im WortRegen ---- tonneStottern
Hängenbleiben mit AnspannungIch --- kann das nichtStottern

Stottert ein Kind länger, kommen oft weitere Zeichen dazu. Es spannt den Körper an, atmet unregelmäßig, bewegt Kopf, Gesicht oder Hände mit oder tauscht gefürchtete Wörter aus und sagt Limo statt Cola. Damit versucht das Kind, das Stottern zu kontrollieren. Kurzfristig hilft das, auf Dauer wächst aber die Angst vor dem Sprechen.

Warum Stottern bei vielen Kindern von selbst vergeht

Stottern beginnt meist zwischen dem 2. und 6. Geburtstag. Bis zum 4. oder 5. Lebensjahr stottern je nach Studie 5,0 bis 11,2 Prozent der Kinder einmal. Unter allen 2- bis 18-Jährigen stottern aber nur etwa 1,4 Prozent und bei Erwachsenen weniger als 1 Prozent. Bei den meisten Kindern vergeht das Stottern also wieder.

Am häufigsten vergeht Stottern in den ersten 6 bis 12 Monaten nach dem Beginn und in den ersten 2 Jahren. Danach sinken die Chancen mit jedem Jahr. Vor dem 10. Geburtstag vergeht es bei etwa 75 Prozent der Kinder, zwischen 8 und 12 Jahren noch bei etwa 50 Prozent.

Am Anfang stottern etwas mehr Jungen als Mädchen, etwa 3 zu 2. Weil es bei Mädchen häufiger vergeht, sind es später bis zu 5 Jungen auf 1 Mädchen. Als vorbei gilt das Stottern erst, wenn es mindestens 12 Monate lang nicht wiederkommt.

Für das einzelne Kind sagen diese Zahlen wenig. Niemand kann vorhersagen, ob das Stottern bei Ihrem Kind vergeht. Deshalb steht am Anfang weder eine sofortige Therapie noch ein Abwarten auf gut Glück, sondern ein Beobachten mit fester Frist.

Wann ein Kind mit Stottern zur Logopädie sollte

Für Kinder von 3 bis 6 Jahren gibt die Leitlinie eine klare Frist vor: 6 bis 12 Monate beobachten. Gezählt wird ab dem Beginn des Stotterns, nicht ab dem ersten Arzttermin. Hält das Stottern länger an, soll die Therapie beginnen. Wer erst ein halbes Jahr nach dem Beginn zur Ärztin geht, hat die Hälfte der Zeit schon hinter sich.

In drei Fällen soll die Therapie sofort beginnen. Erstens, wenn Risiken für ein bleibendes Stottern bestehen. Zweitens, wenn das Kind lange hängen bleibt, die Kontrolle verliert oder sich sichtbar anstrengt. Drittens, wenn Kind oder Eltern darunter leiden oder das Kind Wörter und Gespräche meidet.

Ihr Kind stottert. Abwarten oder zur Ärztin?

Strengt sich Ihr Kind beim Sprechen an, bleibt es mit Anspannung hängen oder meidet es Wörter?

Ja

Machen Sie bald einen Termin in der Kinderarztpraxis. In diesem Fall soll die Therapie sofort beginnen.

Nein

Stottert Ihr Kind seit mehr als 12 Monaten?

Ja

Lassen Sie das Stottern ärztlich abklären. Die Zeit zum Beobachten ist vorbei, jetzt soll die Therapie beginnen.

Nein

Gibt es Risiken, etwa Beginn nach dem 4. Geburtstag, Stottern in der Familie oder mehr Stottern als am Anfang?

Ja

Sprechen Sie die Kinderärztin jetzt an und warten Sie die Frist nicht ab.

Nein

Schreiben Sie einige Wochen lang auf, wann und wie oft Ihr Kind stockt, und bringen Sie die Notizen zur nächsten U-Untersuchung mit.

Unabhängig vom Alter gilt: Leidet ein Kind unter dem Stottern, soll es eine Therapie bekommen, egal wann das Stottern begann. Ein Schulkind, das sich im Unterricht nicht mehr meldet, muss nicht erst abwarten.

Welche 5 Risiken für bleibendes Stottern sprechen

Die Leitlinie nennt fünf Risiken und gibt jedem 0 bis 2 Punkte. Je mehr Punkte, desto eher bleibt das Stottern und desto dringender ist eine Untersuchung. Jungen bekommen 1 Punkt, Mädchen 0. Stottert das Kind seit mehr als 12 Monaten, gibt es 2 Punkte, ebenso bei anhaltendem Stottern in der Familie, einem Beginn nach dem 4. Geburtstag und mehr Stottern im ersten Jahr.

Risiken für bleibendes Stottern mit den Punkten der Leitlinie zu Stottern und Poltern.
Risiko0 Punkte1 Punkt2 Punkte
GeschlechtMädchenJungenicht vorgesehen
Stottern seitweniger als 6 Monaten6 bis 12 Monatenmehr als 12 Monaten
Stottern in der Familieneinja, aber vergangenja und anhaltend
Alter beim Beginn2 bis 3 Jahre3 bis 4 Jahreüber 4 Jahre
Verlauf im ersten Jahrweniger Stottern nach 7 bis 12 Monatengleich bleibendmehr Stottern

Die Punkte sind eine Orientierung, keine Diagnose. Eine feste Grenze, ab der behandelt werden muss, gibt es nicht. Die Punkte helfen aber einzuschätzen, wie dringend es ist, und die Zeit des Beobachtens abzukürzen, wenn mehrere Risiken zusammenkommen.

Zwei Dinge spielen nach der Leitlinie keine Rolle: wie gut das Kind sonst spricht und wie klug es ist. Ein Kind stottert also nicht, weil es besonders viel oder besonders wenig redet.

Was Kinder in der Stottertherapie üben

Für Kinder von 3 bis 6 Jahren empfiehlt die Leitlinie zwei Wege. Beim Lidcombe-Programm üben die Eltern mit Anleitung der Logopädin im Alltag. Sie loben flüssiges Sprechen und weisen das Kind sanft auf Stottern hin. Für dieses Alter hat das Programm die stärkste Empfehlung.

Beim zweiten Weg arbeiten die Eltern nicht am Sprechen des Kindes, sondern an den Umständen. Sie sprechen selbst langsamer, bilden einfachere Sätze und reagieren gelassen auf das Stottern. Beide Wege haben dasselbe Ziel: Geübt wird vor allem im Gespräch am Frühstückstisch, nicht nur in der Praxis.

  • Eine neue, weichere Sprechweise lernen: ab 12 Jahren, mit Hinweisen auf Nutzen schon ab 6 Jahren.
  • Gelassener mit dem einzelnen Stottern umgehen lernen: in jedem Alter möglich.
  • Beides kombiniert: ab 12 Jahren, mit Hinweisen auf Nutzen ab 9 Jahren.
  • Medikamente: sollen gegen Stottern nicht gegeben werden.
  • Rhythmisches Sprechen oder reine Atemübungen: nicht als Hauptteil der Therapie.
  • Hypnose und Therapie ohne festes Konzept: sollen nicht eingesetzt werden.

Geräte und Apps, die das eigene Sprechen verzögert zurückspielen, können das Stottern beim Benutzen verringern. Die Leitlinie sieht sie aber nur als Hilfe innerhalb einer Therapie, nicht als Ersatz. Für alle Altersgruppen empfiehlt sie den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe.

Was die Krankenkasse bei Stottern zahlt

Auf dem Rezept steht bei Stottern das Kürzel RE1. Auf ein Rezept passen bis zu 10 Termine, als Richtwert für die ganze Behandlung gelten bis zu 50. Üblich sind 1 bis 3 Termine pro Woche, einzeln oder in einer Gruppe. Wofür die anderen Kürzel auf dem Logopädie-Rezept stehen, ist überall gleich geregelt.

Das Rezept schreibt meist die Kinderarztpraxis, manchmal eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis. Vor dem ersten Rezept prüft die Ärztin meist das Hören, die Mundorgane und die Sprache.

Ein Termin von 45 Minuten kostet die Krankenkasse 76,06 Euro, die erste Untersuchung 120,86 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts dazu.

  1. Schreiben Sie 2 bis 4 Wochen lang auf, wann Ihr Kind stockt, ob es mitten im Wort hakt und ob es sich anstrengt.
  2. Notieren Sie, wann das Stottern begonnen hat. Die Frist zum Beobachten zählt ab diesem Tag.
  3. Machen Sie einen Termin in der Kinderarztpraxis, bei Anstrengung oder Leid sofort.
  4. Lassen Sie das Hören prüfen.
  5. Lassen Sie sich ein Rezept mit dem Kürzel RE1 geben und fragen Sie, wie oft pro Woche Ihr Kind kommen soll.
  6. Suchen Sie eine Praxis und beginnen Sie innerhalb von 28 Tagen nach dem Datum auf dem Rezept.
  7. Planen Sie täglich einige Minuten zum Üben zu Hause ein.

Erwachsene, die seit der Kindheit stottern, bekommen ebenfalls Logopädie. In der Stottertherapie für Erwachsene kommen andere Verfahren zum Einsatz.

Häufige Fragen

Geht Stottern bei Kindern von selbst weg?

Ja, bei 70 bis 80 von 100 Kindern vergeht Stottern von selbst wieder. Am häufigsten passiert das in den ersten 6 bis 12 Monaten nach dem Beginn. Ob es bei Ihrem Kind vergeht, kann aber niemand vorhersagen.

Ab welchem Alter bekommt ein stotterndes Kind Logopädie?

Eine feste Altersgrenze für Logopädie bei Stottern gibt es nicht. Bei Kindern von 3 bis 6 Jahren wird zuerst 6 bis 12 Monate beobachtet, dann beginnt die Therapie. Strengt sich das Kind an oder leidet es, beginnt die Therapie sofort, auch mit 3 Jahren.

Was ist das Lidcombe-Programm gegen Stottern?

Das Lidcombe-Programm ist eine Stottertherapie für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Die Eltern üben mit Anleitung der Logopädin im Alltag, loben flüssiges Sprechen und weisen sanft auf Stottern hin. Für dieses Alter hat es die stärkste Empfehlung der Fachleute.

Hilft eine App gegen Stottern?

Eine App gegen Stottern kann das Stottern beim Benutzen verringern, etwa indem sie das eigene Sprechen verzögert zurückspielt. Die Fachleute sehen solche Apps aber nur als Hilfe innerhalb einer Therapie. Eine Logopädie ersetzen sie nicht.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind stottert?

Wenn Ihr Kind stottert, sprechen Sie selbst langsam, bilden Sie einfache Sätze und reagieren Sie gelassen. Wie Sie das im Alltag üben, zeigt Ihnen die Logopädin.

Kann ein Kind wegen Stottern und Sprachproblemen zugleich Logopädie bekommen?

Ja, ein Kind kann wegen Stottern und Sprachproblemen zugleich Logopädie bekommen. Die Fachleute raten, eine nötige Stottertherapie nicht wegen der Sprachprobleme aufzuschieben. Die Ärztin kann zwei Behandlungen nebeneinander verschreiben.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S3-Leitlinie Pathogenese, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen, AWMF-Registernummer 049-013, Version 1.1, Stand 31. August 2016, Gültigkeit abgelaufen am 30. August 2021, in Überarbeitung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  2. Langfassung der S3-Leitlinie Redeflussstörungen mit Tabelle 1 zu normalen und stottertypischen Unflüssigkeiten, Tabelle 2 zu Risikofaktoren und den Empfehlungen 1 bis 55, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  3. Patientenleitlinie Stottern und Poltern zur S3-Leitlinie 049-013, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  4. Heilmittelkatalog zur Heilmittel-Richtlinie, Diagnosegruppen RE1 und RE2, Störungen des Redeflusses, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  5. Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, Fassung vom 15. Mai 2025, mit § 32 zur Sprechtherapie, § 34 zur ärztlichen Eingangsdiagnostik und Anlage 1, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  6. Richtlinie über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern (Kinder-Richtlinie), §§ 10 bis 12 mit der Elternfrage zum Stottern bei U7a, U8 und U9, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  7. Anlage 2 Vergütungsvereinbarung zum Vertrag nach § 125 Absatz 1 SGB V, Vergütungsliste für Leistungen ab 1. Juli 2026, GKV-Spitzenverband, gespiegelt bei AOK Gesundheitspartner,
  8. § 32 SGB V, Heilmittel, mit der Zuzahlungsregel für Versicherte ab 18 Jahren in Absatz 2, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

Einsatz von Sprachmodellen

Eine KI hat die wiederkehrenden Sätze auf den Seiten formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Die Texte werden vor der Veröffentlichung gelesen und die Zahlen an den Quellen geprüft. Name, Adresse und Kontaktdaten der Praxen stammen dagegen unverändert aus OpenStreetMap. Sie verarbeitet ein festes Programm und keine KI.

Korrekturweg

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.